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März 2015

Freiberufliche Tätigkeiten

Bei Ihrer Gewerbeanmeldung entscheidet das Finanzamt darüber ob Sie als Freiberufler durchgehen oder ob Sie selbstständiger Unternehmer sind. In die Kategorie Freiberufler zählt jeder deren Beruf im Einkommenssteuergesetz unter den so genannten Katalogberufen geführt wird. Auch die sogenannten katalogähnlichen Berufe können dabei hinzu zählen.

Hat das Finanzamt Zweifel und ist sich nicht sicher ob Ihre Tätigkeit in diese Kategorie der Freiberufler fällt, entscheidet sich das Finanzamt in den meisten Fällen für eine gewerbliche Tätigkeit und leitet die Gewerbeanmeldung an das Gewerbeamt weiter. Dann fallen außerdem zu den regulären Steuern noch die Gewerbesteuern an und Sie können die vielen Vorteile die ein Freiberufler hat nicht nutzen.

Bei den sogenannten Katalogberufen handelt sich um freie Berufe. Der rechtliche Status dieser Berufe steht außer Frage und es ist auch nicht nötig, dass weitere Merkmale eines freien Berufs erfüllt werden. Nicht jeder kann sich einfach so als Freiberufler durch Angabe eines Katalogberufs einstufen lassen. Wichtig dabei ist der Nachweis der Ausbildung. Wer sich als Freiberufler einstufen lassen möchte, obwohl er keinem Katalogberuf angehört, muss auch seine Ausbildung bei der Gewerbeanmeldung anführen.

Welche Berufe zählen zu den freiberuflichen Tätigkeiten?

– die Heilberufe (dazu zählen Ärzte, Heilpraktiker, Hebammen, Heilmasseure oder Psychologen)
– die rechts-, steuerrechts- und wirtschaftsberatenden Berufe (dazu zählen Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerbevollmächtigte)
– die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe (dazu zählen Ingenieure, Architekten, Lotsen, Handelschemiker)
– die Kulturberufe (dazu zählen Journalisten, Dolmetscher, Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer, Erzieher, Bildberichterstatter, Übersetzer).

Zu den Katalogberufen zählen aber nicht nur die Berufe, die im Einkommenssteuergesetz genannt sind, sondern auch die, die im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz festgehalten sind. Das Partnerschaftsgesellschaftsgesetz in Deutschland regelt die Voraussetzungen für die spezielle Rechtsform der Partnerschaftsgesellschaft. In der Partnerschaftsgesellschaft können sich Angehörige von Freien Berufen zur Ausübung ihres Berufes zusammenschließen (§ 1 Abs. 1 PartGG). Sie haben gleichwohl auch die Wahl, andere Gesellschaftsformen wie zum Beispiel eine GmbH zu wählen.

Ohne Katalogberuf als Freiberufler eingestuft werden?

Ein selbstständiger Unternehmer, der mit seiner Tätigkeit keinem der im Einkommensteuergesetz zu findenden Katalogberufe angehört, kann dennoch ebenfalls als Freiberufler vom Finanzamt eingestuft werden. Möglich ist das immer dann, wenn dem Finanzamt deutlich gemacht werden kann, dass es sich bei der ausgeübten Tätigkeit tatsächlich um einen freien Beruf handelt. Zum einen gibt es die Möglichkeit, sich den katalogähnlichen Berufen zuordnen zu lassen. Zum anderen kann eine Erklärung Wunder wirken. Durch eine genaue Erklärung der Aufträge und durch eine Aufstellung bisheriger Auftraggeber lässt sich das Finanzamt oft überzeugen und nimmt die Einstufung als Freiberufler vor – mit allen steuerlichen und rechtlichen Vorteilen als klassischer Freiberufler.

Was sind die Vorteile als Freiberufler?

– Freiberufler müssen sich nicht mit dem Gewerbeamt herumschlagen.
– Freiberufler müssen sich nicht zwingend in der IHK oder der HWK registrieren lassen.
– Freiberufler müssen sich nicht im Handelsregister führen lassen.
– Das Schuldrecht des BGB kommt bei dieser Tätigkeit zum Einsatz.
– Freiberufler können steuerliche Vorteile für sich nutzen.

Kunde zahlt Rechnung doppelt

Bei diesem Thema fällt mir sofort ein Artikel auf N24 ein mit dem Titel „Plötzlich 1,7 Millionen Euro auf dem Konto„, den ich vor wenigen Tagen gelesen habe. Dabei ging es um einen Briten der bei dem regelmäßigen Abrufen seines Kontoauszuges bemerkt, dass er plötzlich umgerechnet etwa 1,7 Millionen Euro auf seinem Bankkonto hat. Ein Unternehmen ist hierbei wohl fälschlicherweise bei einer Überweisung ein Zahlendreher unterlaufen. In dieser Story war der Brite ein ehrlicher Mensch und meldete den Fehler sofort seiner Bank. Wenige Tage später wurde das Geld zurück gebucht und der junge Brite wurde mit einer Verzinsung über 250 Euro belohnt. Aber muss man derartige Fehler denn auch wirklich melden bzw. ist es eine Straftat doppelte Überweisungen einfach stillschweigend zu behalten?

Ich schätze das passiert fast jedem mal in seinem Geschäftsleben. Eine Rechnung wird einfach doppelt überwiesen oder ein Kunde überweist aus Versehen etwas mehr als er eigentlich sollte. Was tun Sie? Machen Sie den Kunden auf den Fehler aufmerksam? Eine Straftat stellt es definitiv nicht dar das Geld zu behalten oder eben dieses stillschweigend auf seinem eigenen Bankkonto zu belassen. Eventuell unterstellt der Kunde Ihnen im Nachgang „Unterschlagung von irrtümlich überwiesenen Bankguthaben in betrügerischer Absicht“ – Ihnen das vor Gericht zu beweisen wäre allerdings äußerst unwahrscheinlich. Vor allem kommt noch dazu, dass nach deutschem Gesetz der Tatbestand einer Unterschlagung erst vorliegt, wenn es um eine „nicht bewegliche“ Sache handelt. Fakt ist allerdings, dass der Kunde sich durchaus freuen wird, wenn Sie ihn darauf aufmerksam machen, dass er Ihnen zu viel Geld überwiesen hat. Je nachdem in welcher Branche Sie mit dem Kunden zusammen arbeiten und in welcher Beziehung Sie zu ihm stehen wird er bestimmt wieder bei dem nächsten Auftrag an Sie denken, denn ehrliche Menschen sind vor allem bei ihren Mitmenschen sehr beliebt. Fakt ist auch, dass wenn dem Kunden der Fehler auffällt Sie zur Erstattung des Geldbetrages auf jeden Fall verpflichtet sind. Angefallene Überweisungskosten oder gar etwaige Fahrtkosten zur Bank können im Regelfall nicht geltend gemacht werden.

Verjährung einer Falsch- oder Doppelüberweisung

Bei einer Falsch- oder Doppelüberweisung handelt es sich um einen Betrag, der grundsätzlich zurückgefordert werden kann. Er steht Ihnen ja nicht zu. Aber man kann von Ihnen nicht verlangen, dass Sie den Betrag ewig für die Herausgabe bereithalten (§194 Abs. 1 BGB). Deshalb verjährt der Anspruch nach 3 Jahren (§195 BGB). Die Verjährungsfrist beginnt mit dem Jahr, das auf das Jahr folgt, in dem die Fehlüberweisung eingegangen ist (Also wenn Sie das Geld im Jahr 2011 erhalten haben, beginnt die Verjährung mit dem 01.01.2012 und endet am 31.12.2014. Ist das Geld im Jahr 2012 eingegangen, verschiebt sich alles um ein Jahr). Nach Ende der Verjährung gehört das Geld Ihnen.

Doppelüberweisungen von Banken

Im Jahr 2003 berichtete das Hamburger Abendblatt über eine Doppelüberweisung die von einer Bank ausgeführt wurde. „Hat eine Bank einen Überweisungsauftrag irrtümlich zweimal ausgeführt, so ist der Empfänger in jedem Fall zur Rückerstattung verpflichtet“. Dies gilt selbst dann, wenn der Empfänger tatsächlich noch eine weitere Forderung gegen den auf der Überweisung genannten Kontoinhaber haben sollte. Diese Grundsätze gehen aus einem Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts (OLG) hervor (Az.: 24 U 91/01). Kein Urteil was uns jetzt verblüffen würde, jedoch zeigt es, dass es nicht immer die Kunden sind die derartige Fehler zu verantworten haben. Falls dem geschädigten Bankkunden der Fehler nach der Verjährung auffällt, ist die Bank zur Erstattung verpflichtet. Ausnahmen natürlich in Einzelfällen.

Mahnung oder Inkasso, Kunde zahlt nicht?

In der Selbständigkeit werden Sie das mit Sicherheit noch öfter erleben. Sie haben einen Deal mit einem Kunden abgeschlossen, Ihre Arbeit sorgfältig erledigt, jedoch will der Kunde am Ende nicht zahlen. Die frechsten Kunden sind dann immer noch diejenigen die bei mehrfacher freundlicher Ansprache per Telefon oder sogar in einem persönlichen Gespräch immer wieder versprechen den Geldbetrag unverzüglich zu überweisen und es dann dennoch nicht tun. Wie können Sie nun effektiv auf den Kunden Druck ausüben, damit er den offenen Rechnungsbetrag so schnell wie möglich ausgleicht?

Gibt es noch andere Möglichkeiten für eine Einigung? Haben Sie Ihrem Kunden bereits eine Ratenzahlung angeboten? Wäre es für beide Parteien möglich die Forderung erstmal auszusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder anzusprechen oder wäre es gar möglich eine Gegenleistung zu vereinbaren?

1. Setzen Sie den Kunden schriftlich in Zahlungsverzug und mahnen Sie ihn ab nachdem eine mündliche Abmahnung keine Wirkung hatte.
Zwar befindet sich ein Unternehmen bei einem B2B-Geschäft automatisch 30 Tage nach Rechnungsstellung in Verzug, jedoch sollten Sie ausdrücklich den Kunden schriftlich abmahnen falls der Geldbetrag immer noch nicht bei Ihnen eingetroffen ist.
2. Informieren Sie den Kunden ausdrücklich darüber, dass Sie weitere Schritte einleiten werden, wenn der Rechnungsbetrag zu einem bestimmten Termin nicht eingegangen ist. So weiß der Kunde, dass Sie es ernst meinen. Um weitere Kosten wie Inkassogebühren oder Verzugszinsen zu vermeiden, zahlen viele Kunden daraufhin auch.
3. Sie können nun ein Inkassobüro beauftragen oder einen Gerichtlichen Mahnbescheid beantragen, wenn eine Zahlung nicht mehr in Sicht ist.
Sollte der Kunde nach 1-2 Mahnungen noch nicht bezahlt haben, sollten Sie sich mit weiteren Schritten auseinandersetzen. Ein Inkassobüro oder gar ein Gerichtlicher Mahnbescheid kostet Sie weniger als Sie im ersten Moment wahrscheinlich glauben.

Das Gerichtliche Mahnverfahren – Mahnbescheid

Einen Gerichtlichen Mahnbescheid können Sie jederzeit für 25 Euro selbst bei Ihrem zuständigen Amtsgericht auch sofort online beantragen. Der Zahlungsunwillige erhält nun vom zuständigen Zentralen Mahngericht einen Mahnbescheid – auch bekannt als gelber Brief – er hat daraufhin 4 Wochen Zeit der amtlichen Mahnung zu widersprechen oder den offenen Betrag zu bezahlen. Widerspricht der Schuldner nicht während der festgesetzten Frist wird der Mahnbescheid vollstreckbar. Das amtliche Mahnverfahren ermöglicht somit die Vollstreckung einer Geldforderung ohne Klageerhebung, also auch ohne Urteil. Das Verfahren wird von einem Rechtspfleger oder sogar voll automatisiert durchgeführt, ohne dass geprüft wird, ob dem Antragsteller der Zahlungsanspruch tatsächlich zusteht, Beweismittel müssen bei der maschinellen Erfassung nicht mitgesandt werden.

Abmahnung durch Inkasso – Inkassobüro

Die Beauftragung eines Inkassobüro für kleinere oder auch größere Forderungen kostet nicht viel. In der Regel verdient ein Inkassobüro das meiste Geld an den Inkassogebühren die vom Schuldner erhoben werden. Diese kann bei bis zu 30 Prozent der Forderungssumme liegen. Sie als Gläubiger bezahlen üblicherweise lediglich etwa 10 Prozent des Streitwertes. Diese anfallenden Gebühren können Sie ebenfalls als Mahngebühren vom Schuldner mit einfordern. Hier eine Beispielrechnung: Der Schuldner hätte 3.500,01 Euro an den Gläubiger, also an Sie, zu zahlen und wird durch ein Inkassobüro nach Zahlungsverzug abgemahnt. Dann wäre bei der Anwendung eines Gebührensatzes von 1,3 die Gebühr zu entrichten, die auf einen Gegenstandswert von bis zu 4.000,00 € entfällt (1,3 x 252 € = 327,60 € (Nettobetrag )). Zahlt der Kunde nach einer Abmahnung durch das Inkassobüro jedoch immer noch nicht und wird nachfolgend ein Gerichtsverfahren unter Rechtsanwaltsbeteiligung gegen den Schuldner durchgeführt, dann darf für die außergerichtliche Tätigkeit des Inkassobüros nur ein Gebührensatz von 0,65 zu Grunde gelegt werden – (0,65 x 252 € = 163,80 € (Nettobetrag )). Sinnvoll ist es mit einem Inkassobüro in Ihrer Nähe ein kurzes Telefonat zu führen und sich eventuell sogar von zwei Büros zum Forderungsmanagement ein Angebot einzuholen.