Mahnung oder Inkasso, Kunde zahlt nicht?

In der Selbständigkeit werden Sie das mit Sicherheit noch öfter erleben. Sie haben einen Deal mit einem Kunden abgeschlossen, Ihre Arbeit sorgfältig erledigt, jedoch will der Kunde am Ende nicht zahlen. Die frechsten Kunden sind dann immer noch diejenigen die bei mehrfacher freundlicher Ansprache per Telefon oder sogar in einem persönlichen Gespräch immer wieder versprechen den Geldbetrag unverzüglich zu überweisen und es dann dennoch nicht tun. Wie können Sie nun effektiv auf den Kunden Druck ausüben, damit er den offenen Rechnungsbetrag so schnell wie möglich ausgleicht?

Gibt es noch andere Möglichkeiten für eine Einigung? Haben Sie Ihrem Kunden bereits eine Ratenzahlung angeboten? Wäre es für beide Parteien möglich die Forderung erstmal auszusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder anzusprechen oder wäre es gar möglich eine Gegenleistung zu vereinbaren?

1. Setzen Sie den Kunden schriftlich in Zahlungsverzug und mahnen Sie ihn ab nachdem eine mündliche Abmahnung keine Wirkung hatte.
Zwar befindet sich ein Unternehmen bei einem B2B-Geschäft automatisch 30 Tage nach Rechnungsstellung in Verzug, jedoch sollten Sie ausdrücklich den Kunden schriftlich abmahnen falls der Geldbetrag immer noch nicht bei Ihnen eingetroffen ist.
2. Informieren Sie den Kunden ausdrücklich darüber, dass Sie weitere Schritte einleiten werden, wenn der Rechnungsbetrag zu einem bestimmten Termin nicht eingegangen ist. So weiß der Kunde, dass Sie es ernst meinen. Um weitere Kosten wie Inkassogebühren oder Verzugszinsen zu vermeiden, zahlen viele Kunden daraufhin auch.
3. Sie können nun ein Inkassobüro beauftragen oder einen Gerichtlichen Mahnbescheid beantragen, wenn eine Zahlung nicht mehr in Sicht ist.
Sollte der Kunde nach 1-2 Mahnungen noch nicht bezahlt haben, sollten Sie sich mit weiteren Schritten auseinandersetzen. Ein Inkassobüro oder gar ein Gerichtlicher Mahnbescheid kostet Sie weniger als Sie im ersten Moment wahrscheinlich glauben.

Das Gerichtliche Mahnverfahren – Mahnbescheid

Einen Gerichtlichen Mahnbescheid können Sie jederzeit für 25 Euro selbst bei Ihrem zuständigen Amtsgericht auch sofort online beantragen. Der Zahlungsunwillige erhält nun vom zuständigen Zentralen Mahngericht einen Mahnbescheid – auch bekannt als gelber Brief – er hat daraufhin 4 Wochen Zeit der amtlichen Mahnung zu widersprechen oder den offenen Betrag zu bezahlen. Widerspricht der Schuldner nicht während der festgesetzten Frist wird der Mahnbescheid vollstreckbar. Das amtliche Mahnverfahren ermöglicht somit die Vollstreckung einer Geldforderung ohne Klageerhebung, also auch ohne Urteil. Das Verfahren wird von einem Rechtspfleger oder sogar voll automatisiert durchgeführt, ohne dass geprüft wird, ob dem Antragsteller der Zahlungsanspruch tatsächlich zusteht, Beweismittel müssen bei der maschinellen Erfassung nicht mitgesandt werden.

Abmahnung durch Inkasso – Inkassobüro

Die Beauftragung eines Inkassobüro für kleinere oder auch größere Forderungen kostet nicht viel. In der Regel verdient ein Inkassobüro das meiste Geld an den Inkassogebühren die vom Schuldner erhoben werden. Diese kann bei bis zu 30 Prozent der Forderungssumme liegen. Sie als Gläubiger bezahlen üblicherweise lediglich etwa 10 Prozent des Streitwertes. Diese anfallenden Gebühren können Sie ebenfalls als Mahngebühren vom Schuldner mit einfordern. Hier eine Beispielrechnung: Der Schuldner hätte 3.500,01 Euro an den Gläubiger, also an Sie, zu zahlen und wird durch ein Inkassobüro nach Zahlungsverzug abgemahnt. Dann wäre bei der Anwendung eines Gebührensatzes von 1,3 die Gebühr zu entrichten, die auf einen Gegenstandswert von bis zu 4.000,00 € entfällt (1,3 x 252 € = 327,60 € (Nettobetrag )). Zahlt der Kunde nach einer Abmahnung durch das Inkassobüro jedoch immer noch nicht und wird nachfolgend ein Gerichtsverfahren unter Rechtsanwaltsbeteiligung gegen den Schuldner durchgeführt, dann darf für die außergerichtliche Tätigkeit des Inkassobüros nur ein Gebührensatz von 0,65 zu Grunde gelegt werden – (0,65 x 252 € = 163,80 € (Nettobetrag )). Sinnvoll ist es mit einem Inkassobüro in Ihrer Nähe ein kurzes Telefonat zu führen und sich eventuell sogar von zwei Büros zum Forderungsmanagement ein Angebot einzuholen.