Verdeckte Gewinnausschüttung und „nahestehende Personen“

Bei einer „verdeckten Gewinnausschüttung“ wird über eine verhinderte Vermögensmehrung innerhalb einer Gesellschaft gesprochen, die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst wurde. Im Gegensatz zur „offenen Gewinnausschüttung“ wird bei einer „verdeckten Gewinnausschüttung“ kein Gewinnverteilungsbeschluss der Gesellschaft gefasst. „Verdeckte Gewinnausschüttung“ bezeichnet demnach Vorgänge, bei denen eine GmbH zu Lasten ihres Gewinns einem Gesellschafter oder einer Person, die einem Gesellschafter nahesteht, Vorteile zuwendet. Entscheidend ist, dass einem fremden Dritten, also einer Person, die nicht Gesellschafter ist oder einem Gesellschafter nahesteht, ein solcher Vorteil nicht zugewendet worden wäre.

Folgen einer verdeckten Gewinnausschüttung innerhalb einer GmbH

Tatbestand: Das Rechtsverhältnis wäre auch mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden, jedoch hätte sich die GmbH nur zu einer niedrigeren Gegenleistung verpflichtet.
Steuerliche Auswirkung: Überhöhter Aufwand ist verdeckte Gewinnausschüttung; Gegenleistung in üblicher Höhe ist Aufwand.

Tatbestand: Das Rechtsverhältnis wäre mit einem Nichtgesellschafter nicht vereinbart worden.
Steuerliche Auswirkung: Aufwand in vollem Umfang verdeckte Gewinnausschüttung.

Tatbestand: Das Rechtsverhältnis wäre genauso mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden.
Steuerliche Auswirkung: Keine verdeckte Gewinnausschüttung

Tatbestand: Das Rechtsverhältnis wäre auch mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden, jedoch hätte die GmbH eine höhere Gegenleistung, z. B. Mietzahlung, vereinbart.
Steuerliche Auswirkung: Die vom Gesellschafter der GmbH gegenüber erbrachte Leistung sowie der Anteil der üblichen, aber nicht vereinbarten Leistung stellt bei der GmbH Ertrag dar; der nicht erbrachte Anteil an der Leistung ist zugleich verdeckte Gewinnausschüttung.

Steuerliche Auswirkungen bei der GmbH

Eine verdeckte Gewinnausschüttung darf ebenso wenig wie eine offene Gewinnausschüttung den Gewinn der GmbH mindern. Deshalb muss die verdeckte Gewinnausschüttung außerhalb der Bilanz der GmbH dem steuerlichen Gewinn hinzugerechnet werden.

Das Risiko „nahestehender Personen“

Beispiel 1: Verkauft Herr Freitag seinem Bruder Ware im Wert von 25.000 Euro, welche im Normalfall für 50.000 Euro hätte verkauft werden sollen, besteht hier eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 25.000 Euro.

Beispiel 2: Herr Freitag ist Allein-Gesellschafter der Freitag-GmbH und gewährt seiner Frau eine Gehaltserhöhung in Höhe von 21.000 Euro. Da die Frau von Herrn Freitag eine nahestehende Person ist, besteht hier ebenfalls eine verdeckte Gewinnausschüttung von ingesamt 21.000 Euro.

Beispiel 3: Herr Freitag ist Gesellschafter der Freitag Immobilien GmbH und kauft von einem Bekannten ein Grundstück an, für das er einem fremden Immobilieneigentümer 30.000 Euro weniger bezahlt hätte. Folge: Es liegt durch das bekanntschaftliche Verhältnis eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 30.000 EUR vor.

Beispiel 4: Herr Freitag ist Gesellschafter der Freitag-GmbH und gewährt einem Lieferanten einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro, welcher in der Vergangenheit nie vorkam. Nach wenigen Wochen beteiligt sich der Lieferant an der Freitag-GmbH. Es liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 20.000 Euro vor.

Das Finanzamt und „nahestehende Personen“?

Im Rahmen einer allgemeinen Betriebsprüfung bei einer GmbH sucht der Betriebsprüfer zu allererst nach auffälligen Geschäftsvorfällen und ungewöhnlich hohen Zahlungen. Stellt sich nun durch eine genauere Prüfung durch das Finanzamt heraus, dass offensichtlich zu hohe Zahlungen geleistet oder zu wenig für Leistungen berechnet wurde, kommt zu aller erst die Suche nach „nahestehenden Personen“.